Tagebuch-Auszüge


Auszüge aus Tagebüchern

Früher habe ich meine Tagesnotizen noch handschriftlich auf Papier geschrieben. Inzwischen ist ein handliches Notebook mein ständiger Begleiter.

März 2004

"… in einigen Tagen ist es soweit und ich werde mich wieder da befinden wo ich am allerliebsten bin, nämlich auf der längsten Reise in mich hinein und zu mir selbst.

Alle meine Reisen die ich unternommen habe waren immer ein sehr intensives Erlebnis mit mir und meinen Gedanken, mit den Ereignissen um mich herum, den Fragen und Antworten von denen bis heute viele unbeantwortet geblieben sind. Unterwegs zu sein heißt für mich nicht nur die Beine zu bewegen und den Kopf nach links und rechts zu drehen um neue Bilder zu sehen. Unterwegs zu sein, heißt alte Gedanken aufzufrischen, sortieren, verwerfen, umzusetzen oder aber neue Ideen zu pflegen, neue Situationen auszuforschen, aber auch den Kopf zu befreien vom Gedankenmüll der sich angesammelt hat. Ich vergleiche meine Reisen mit den Aufräumarbeiten in der Wohnung oder im Haus –also eine Art Frühjahrsputz. Zuerst einmal alles raus, dann sinnvolles vom sinnlosen und wichtiges vom unwichtigen trennen. Dann habe ich alles auf dem Fahrrad verstaut und es kann los gehen. Während den ersten Tagen werde ich sicherlich einiges vermissen, doch allmählich finde ich den Weg zu meiner Normalität wieder. Mein Leben wird einfacher, was ich brauche kann ich in 6 Fahrradtaschen unterbringen dadurch erhöhe ich meine Lebensqualität. Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Büro, Werkstatt und sogar eine Rumpelkammer habe ich in meinen Taschen untergebracht. Das ist die eigentliche Kunst des Reisens mit dem Fahrrad, seine Bedürfnisse auf das Wesentliche zu reduzieren. Wenn man dann noch die inneren Zweifel und festgefahrenen Gedanken in der nächsten Mülltonne ablegen kann, habe ich die Basis für das Abenteuer erreicht. Nach spätestens 10 Tagen habe ich meinen Weg " zurück in die Zukunft „ gefunden und ich bin wieder unterwegs auf den Straßen und Pisten der Welt um meinen Pfad nach Innen, draußen in der Welt zu finden. Ich freue mich immer wieder auf diesen Neustart oder besser gesagt die Fortsetzung meiner Erfahrungen  mit dem Fahrrad ..."

Tillmann

Sieht aus wie ein Riesenwurm, ist aber eine etwa 1 m lange Schlange.

März 2005

War es ein Vorfall, Anfall, Unfall oder Überfall?

Heute hat es mich erwischt, gleich am Morgen ging es zur Sache. Die Straße war nicht sehr steil aber dafür sehr lang von der Küste in Richtung Podgorica waren es 70 Kilometer bis hoch zum Schnee. Dazwischen die ersten Krokusblüten, Schneeglöckchen und eine ziemlich große Schlange die am Straßenrand verträumt auf eine Maus wartete. Ich habe sie wohl überrascht und mit hoch erhobenem Kopf verschwand sie in den Büschen... ohne Maus. Die Schlange war ein Prachtstück. ca. 1 Meter lang und ich hatte noch genug Zeit um sie zu fotografieren. Ausgesehen hatte sie wie ein Riesenwurm, braun, glatt und ziemlich dick. Wäre ich diesem Wurm in Australien begegnet hätte ich sie wohl als sehr giftig eingeschätzt und ich hätte einen großen Bogen um sie gemacht.

Radrennen in Montenegro aus Sicht eines Globeradlers

Ganz oben angekommen ging es dann hinunter nach Podgorica und ich hatte Glück. Wegen einem Radrennen welchem ich auch schon gestern begegnet bin standen in Abständen von einem Kilometer gelangweilte Polizisten um den Verkehr aufzuhalten. Nur Radfahrer durften weiterfahren. Also gab es eine herrliche Abfahrt ohne Verkehr. Erst kurz vor Podgorica als das Fahrradrennen vorbei war, rasten die Golfs, Opels und Mercedes wieder an mir vorbei. Podgorica fand ich eine schreckliche Stadt, mit viel Industrie und lästigem Lärm. An der Kreuzung nach Tuzi entschloss ich mich in Richtung albanische Grenze weiterzufahren und gar nicht in die Stadt selbst reinzufahren. Ich stand über meinem Bike und war beim Kartenlesen als plötzlich von hinten lautes Geschrei auf mich zukam. Ich drehte mich um und wurde fast mit dem Bike zu Boden gestoßen von einem ganz kleinen einbeinigem Krüppel der mir plötzlich von hinten auf den Rücken sprang und sehr geschickt mit beiden Händen unter meiner Jacke nach dem Bauchgurt suchte. Mit dem Ellbogen verpasste ich ihm einen Stoß und als er merkte dass mein Bauchgurt nicht da war wo er ihn vermutete war er wieder verschwunden genau so schnell wie er gekommen war.

Überraschung meinerseits, Blick auf das Bike, Blick in die Umgebung, Blick nach dem Dieb, doch von ihm war nichts mehr zu sehen. Lachende Autofahrer und viel Lärm war alles was übrig blieb. Ich hatte Glück denn beim Ortsschild Podgorica hatte ich die Fahrradhose über meinen Bauchgurt gezogen, somit war es schwer für den „Möchtegerndieb" an meinen Bauchgurt zu kommen. Ich fluchte und wünschte dieser Wildsau dass er das zweite Bein auch noch verliert... vielleicht von einem der vielen Mercedes überrumpelt wird. Nachdem ich mich wieder beruhigte, hatte ich ein schlechtes Gewissen, einem Krüppel gegenüber so einen schlechten Wunsch zu äußern. Er hat ja nichts erwischt und nichts bekommen außer einen blauen Fleck von meinem Ellbogen. War ja echt eine Überraschung die glimpflich ausging. Er hätte ja auch ein Messer ziehen können. War ich am falschen Tag zur falschen Zeit am richtigen Ort???? Auf jeden Fall eine tolle Geburtstagsüberraschung für mich. Nach solchen Erlebnissen bin ich immer lange am Überlegen und komme zur Ansicht, dass ich selbst nach vielen Jahren auf Achse, immer wieder neue Überraschungen erlebe und überlebe. Anschließend bin ich in Richtung albanische Grenze weitergefahren. In einer Billigabsteige habe ich mir eine Unterkunft besorgt und habe mich mit meinem Bauchgurt festgeschnallt da wo es am sinnvollsten ist..., rund um den Bauch in meinem Schlafsack verkrochen. Nur mein eigenes Schnarchen hat mich manchmal aus dem Schlaf gerissen... und ich war überzeugt, dass es ein schlauer Überfall war. Morgen fahre ich weiter nach Albanien.

Tillmann

Tirana bei Nacht


28. März 2005

Tirana bei Nacht

Tirana die Hauptstadt Albaniens und das Land selbst lange Zeit geschlossen für Touristen, sind jetzt für jedermann zugänglich. Für einen € 10.- Schein gibt es and der Grenze eine Einreisegenenhmigung und mit einem freundlichen Lächeln der Zöllner war ich in in 2 Minuten abgefertigt. Zu sehen gibt es wenig, denn Albanien muss wohl eines der ärmsten Länder am Balkan sein. Geplündert von den Kommunisten und wenig zu erobern für die Kapitalisten ist Albanien einem fürchterlichem Schicksal überlassen. Kinder stehen am Straßenrand und verkaufen Veilchen und Schneeglöckchen. Bruchbuden aus Holz und alten Benzinfässern bilden die kleinen Geschäfte in denen es überlebenswichtige Naturalien zu kaufen gibt. Das ganze Land scheint eine ewige Baustelle zu sein und wenn es regnet werden die bunten Plastiktüten am Straßenrand sauber und bilden neben den riesigen Vodafone Reklameschildern die einzige Farbenpracht. Es ist März und die Bäume und Wiesen sind noch nicht am Blühen also ist das Bild auch dementsprechend traurig. Die Innenstadt von Tirana wird am Abend mit bunten Lichtern beleuchtet, es gibt sehr viele Stromausfälle.

Die Hotels in der mittleren Preisklasse sind in einem erbärmlichen Zustand. Vorhänge gibt es nicht. Teile der Badezimmereinrichtungen sind zerschlagen, Wände und Türen sind schmutzig, Fenster und Türen schließen nur mangelhaft wenn überhaupt. Telefonieren ist problematisch und sündhaft teuer. Steckdosen im Zimmer gibt es nicht. In Elbasan war ich in einem Riesenhotel mit 8 Stockwerken doch war nur ein Stockwerk bewohnbar. Die restlichen Stockwerke waren zerstört. Es gibt kleinere private Hotels die sind aber sehr teuer und nicht viel besser erhalten. Was ist in den Köpfen der Genossen wohl vorgegangen. Unverständlich, ich kann da nur mit dem Kopf schütteln.

Tilmann

Eine Fahrradmesse, wie viele andere in der Welt: Die Sydney Bike Show.

7. November 2005

Die Australia Bike Show in Sydney.

Als Repräsentant für einige meiner Sponsoren war ich auf der Bike-Messe in Sydney. Die Messe fand im sogenannten Dome statt und sie war nicht viel anders als alle anderen Bikemessen auf der Welt. Bikes, Produkte, Menschen die Ihr Leben für und mit Bikes verbringen. Schöne Sachen, Alltägliches und das Besondere fürs Bike durfte natürlich auch in Sydney nicht fehlen. Ein kurzer Rundgang im Dome und das war es dann auch schon. Die Veranstalter haben sich jede erdenkliche Mühe gemacht um den vielen Besuchern einige schöne Tage zu bieten. Highlite war der Sonntag an welchem 8.000 Radfahrer über die Sydney Harbourbridge kurbelten und direkt zum Messegelände kamen. Ich meine wenn man von der Eurobike in Friedrichshafen nach Sydney kommt, dann muss man die ganze Sache mit anderen Augen sehen, denn hier in Australien ist nicht nur der Markt ganz anders, es fehlt diese Konzentration die es in Europa gibt. Ich wurde von der Firma Rucsac Supplies eingeladen am Stand anwesend zu sein. Highlite auf dem Stand waren die VAUDE Produkte und die Koga Bikes die wir speziell für die Messe bekommen hatten. Ganz neu war der Chela Anhänger von Koga. Die Resonanz für den Hänger hielt sich in Grenzen doch die Koga Reiseräder waren ein Megahit. Tourenfahren so wie wir dies in Europa kennen steckt hier in Australien in den Kinderschuhen. Es gibt viele Veranstaltungen und auf Gruppen bezogene Tourenangebote. Die Wüste ist das Limit und die Küstenstraßen sind ein Muss. Es wird viel geradelt doch meistens in größeren Gruppen, der Solotrip oder die Familientour gibt es in den südlichen Regionen Australiens.  Individualisten und Solotreter, sind schlicht und einfach Exoten die es auch noch längere Zeit bleiben werden. Es gibt allerdings

jede Menge Möglichkeiten Australien als ein Land der besonderen Herausforderung zu sehen. Die Größe des Landes und die geringe Bevölkerungsdichte bieten einfach alles, was man braucht, um den Reisegedanken auf die Beine zu helfen oder die Beine auf die Pedale zu bringen.

Tilmann

Buchempfehlungen

  Sieh diese Erde leuchten - in seinem neuesten Buch berichtet Tilmann Waldthaler über 30 Jahre als Fahrradabenteurer. Mehr als ein Radbuch, mehr als ein Roadbook - eine wunderbare Liebeserklärung an die ganze Welt..

Übersicht alle Fahrrad-Bücher

 

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Fluss- See- und Küstenradwege in Deutschland: Donauradweg – vom Schwarzwald Richtung Westen bis ins Schwarze Meer.  Elberadweg – die Mündung ist bei Hamburg in der Nordsee, die Quelle in der Tschechischen Republik. Rheinradweg – vielseitiger Flussradweg mit attraktiven Landschaften und sehenswerten Großstädten. Der Maintalradweg –  attraktive Ost-West-Route mit vielfältigem Gastgewerbe. Weserradweg und Altmühltalradweg sind Kassiker unter den Fluss-Radwegen.Der Bodenseeradweg – verbindet auf seiner Route entlang des See-Ufers Deutschland mit Österreich und der Schweiz. Der Ostseeküstenradweg verläuft haüfig in Küstennähe und bezieht viele attraktive Bade-Orte ein. Der Lahntalradweg ist klein aber fein. Familienfreundlich, weil überwiegend flach führt der Fuldaradweg durchs hessische Mittelgebirge. Der Rennsteig-Radweg bietet eine tolles Terrain für sportlich ambitionierte Radfahrer. Für Weinkenner und Feinschmecker ist der Moselradweg ein kleines Paradies. Flussradwege in Österreich: Salzkammergut-Radweg - 345 km durch die Region Oberösterreich. Tauernradweg entlang der Flussläufe von Saalach, Salzach und Inn. Drauradweg - 366 km durch die Bundesländer Tirol und Kärnten. Ennsradweg - 250 km durch Steiermark, Oberösterreich und Salzburger Land. Murradweg - von den Alpen durch die Steiermark. Inntalradweg - 530 km von Maloja (Schweiz) bis Passau (Deutschland).