Radfahren – gesellschaftliche Relevanz


Mehr als nur das Hauptfortbewegungsmittel für Studenten: Fahrräder eignen sich grundsätzlich für alle Verkehrsteilnehmer.

Vorteil Radfahrer!

Warum das Umsteigen auf das Fahrrad auch gesellschaftlich relevant ist:
Gründe für das Radfahren gibt es viele, die meisten werden persönlicher Natur sein: Bewegung ist gut für den Körper, je nach Einsatzgebiet verspricht das Fahrrad ein deutlich schnelleres Vorankommen als andere Verkehrsmittel und außerdem ist der Verzicht auf das Auto ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz. Soweit die individuellen Motive. Es lohnt sich allerdings, das Phänomen Radfahren auch einmal in einem größeren Zusammenhang zu sehen – denn es hat durchaus eine gesellschaftliche Relevanz. In Sachen Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz sowie Gesundheit könnten Radfahrer Vorbildfunktion haben.

Transportmittel mit Style-Faktor:
Für viele Studenten ist das Fahrrad Hauptverkehrsmittel – so zumindest lautet eine verbreitete Klischeevorstellung. Darin steckt sich ein Körnchen Wahrheit. Es ist sicher kein Zufall, wenn besonders in der Universitätsstadt Münster das Fahrradaufkommen besonders hoch ist. Dafür hat die Stadt auch einiges getan, um dieses „Aushängeschild“ weiter zu fördern. Ein Garant ist die Ansiedlung einer Hochschule allerdings keineswegs – genauso wenig wie es im Umkehrschluss zwingend die lokale Studentenschaft braucht, um für regen Fahrradbetrieb auf den Straßen zu sorgen.

Dafür sorgt vielmehr eine immer größere Zahl von Kampagnen, die sich einer verstärkten Fahrradnutzung widmen. Das Umweltministerium BMU unterhält etwa die „Kopf an: Motor aus“-Kampagne, die Auto- zu Radfahrern machen soll. Anreiz bietet sozusagen die Fahrrad-Dreifaltigkeit aus Gesundheit, Finanzen und Umwelt. Bislang sind dem Programm 12 deutsche Städte angeschlossen, in denen zunächst auf das Mobilitätsverhalten der Einwohner auf kurzen Strecken eingewirkt wird.
Daneben widmen sich die Bundesländer selbst mit eigenen Projekten einer Förderung des Radverkehrs, das baden-württembergische Verkehrsministerium hat beispielsweise zu diesem Zweck die Initiative RadKULTUR ins Leben gerufen. Das Ziel ist nicht weniger als eine landesweite nachhaltige Mobilität in der Zukunft, in der das Fahrrad eine maßgebliche Rolle spielt. Das raumkom-Institut, das seine Anfänge mit einigen Geographie-Studenten der Universität Trier genommen hat, trägt die Konzepte seiner Radlust-Initiative in interessierten Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Die dreht sich vor allem darum, das Fahrrad als attraktives Fortbewegungsmittel mehr in den Blickpunkt zu rücken und darüber den Anteil am Gesamtverkehr deutlich zu steigern.
Andererseits sorgen auch Internetblogs dafür, dass in puncto Attraktivität wirklich einiges passiert. Das Fahrrad ist eben mehr als ein Verkehrsmittel, es ist inzwischen auch ein echter Style-Faktor geworden – „cycle chic“ ist also die beste Voraussetzung, um besonders junge Menschen zum Um- bzw. Aufstieg zu bewegen. Und das eben nicht nur in den (internationalen) Metropolen, die ohnehin als besonders fahrradfreundlich und stylisch bekannt sind. Grundsätzlich taugt das Fahrrad also überall zum sehens- und zeigenswerten Autoersatz.

Quelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur – „Radverkehr in Deutschland. Zahlen, Daten, Fakten“ – zum ZOOMEN Bild anklicken!

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Bewegungsmangel führt zu Beschwerden, die früher erst altersbedingt auftraten – Radfahren wirkt dem entgegen, selbst im fortgeschrittenen Alter.

Radfahren: gesundheitliche Aspekte

Gesunder Körper, gesunder Geist durch das Radfahren:
Dennoch wird einem bei der Suche nach potenziellen Gründen, häufiger zum Fahrradlenker als zum Autoschlüssel zu greifen, der Modeaspekt nicht unbedingt zu den ersten gehören, die einem in den Sinn kommen. Das hat nichts mit mangelndem Modebewusstsein zu tun, sondern wohl eher damit, dass andere Aspekte einfach naheliegender sind. Allen voran mit großer Wahrscheinlichkeit der Gesundheitsaspekt.
Ausdauersport mit vielfältigen körperlichen Auswirkungen
Wer glaubt, Radfahren beanspruche in erster Linie die Beine und stärke die Muskulatur der Oberschenkel, liegt weit daneben. Das Potenzial des Radfahrens ist deutlich größer, weil es sich auf viele Bereiche des Körpers positiv auswirkt, aber eben nicht ausschließlich. Besonders positiv – bereits 30 Minuten täglich reichen für eine physische und psychische Verbesserung.
•    Die Atemwege
Das rhythmische Treten ist gleichzeitig ein gutes Training für die Muskulatur des Atemapparats, gleichzeitig wird die Lunge aktiviert, der gesamte Körper dadurch besser mit Sauerstoff versorgt. Daneben hilft die gründliche Ventilation dabei, Infekten und Atemwegserkrankungen vorzubeugen.
•    Herz-Kreislaufsystem
Bewegungsmangel schadet dem Herz-Kreislaufsystem, das kann mit regelmäßigen Einheiten auf dem Fahrrad jedoch mehr als ausgeglichen werden. Das Risiko einer Erkrankung in diesem Bereich kann sogar um das 20fache reduziert werden – sogar bei mäßiger Belastung.
Das Ergebnis ist ein höheres Schlagvolumen des Herzens bei einem gleichzeitig sehr viel niedrigeren Ruhepuls. Alles in allem wird das Herz so insgesamt weniger belastet, arbeitet aber „runder“. Nicht zu vergessen, dass die bessere Blutzirkulation ihrerseits dazu beiträgt, abgelagertes Cholesterin aus den Blutgefäßen abzutransportieren. Unterm Strich wird so das gesamte Herz-Kreislaufsystem leistungsfähiger.
•    Muskeln und Gelenke
Um noch kurz beim Thema zu bleiben – zu den Muskeln, die mithin am meisten von den regelmäßigen Trainingseinheiten profitieren, zählt in der Tat der Herzmuskel. Denn zu den häufigeren Ursachen, die zu Herzversagen führen können, gehört schlicht und ergreifend die Unterforderung. Dieses Risiko lässt sich ebenso das eines Herzinfarktes durch das Radfahren erheblich senken.
Genauso positiv: Das Radeln funktioniert wie ein Ganzkörpertraining, bei dem eine Vielzahl an Muskelpartien gefordert wird. Die Beinmuskulatur versteht sich dabei von selbst, immerhin gibt es ohne sie kein Vorwärtskommen. Allerdings wirkt sich Radfahren auch positiv auf die Rumpfmuskulatur aus, die unter anderem dafür zuständig ist, Erschütterungen während der Fahrt abzufangen. Ähnliches gilt für die Muskeln im Schulter- und Armbereich, die außerdem – ganz offensichtlich – für das Abstützen des Körpers auf dem Lenker zuständig sind.
Überschätzen sollten Radfahrer den Effekt jedoch nicht: Beim „normalen“ Fahrradfahren werden die Muskeln normalerweise nur moderat belastet, das reicht für einen gezielten Muskelaufbau (mit Ausnahme der Beinmuskulatur) nicht aus.
Bewegungsmangel, der sich häufig durch sitzende Tätigkeiten im Berufsalltag ergibt, macht sich mittel- bis langfristig zudem in den Gelenken bemerkbar. Anders als Joggen schont das Radfahren etwa die Kniegelenke – die müssen kaum Gewicht tragen, weil das ja zu einem großen Teil auf dem Sattel lastet, bekommen keine Erschütterungen und Stöße ab und werden durch die kreisende Beinbewegung optimal in Bewegung gebracht. Sogar so gut, dass Radfahren bei der Arthrose-Prävention hilft bzw. bei einem solchen Krankheitsbild Linderung verschafft.

Radeln als Entspannungsprogramm gegen den stressigen Alltag – dazu muss es nicht einmal raus in die Natur, das Radfahren beruhigt schon für sich genommen.

•    Psyche
Die Wirkung von Ausdauersport auf das seelische Wohlbefinden ist erwiesen und sicher einer der Gründe für die Popularität des Joggens beispielsweise. Mit dem Radfahren verhält es sich daher genauso: Die regelmäßige Bewegung verhindert physische Belastungen wie Bewegungsmangel und Übergewicht, die wiederum zu einer psychischen Belastung werden können.
Weil außerdem sogenannte „Stressoren“ abgebaut werden können, wobei besonders die Gleichmäßigkeit der Bewegungsabläufe beim Radfahren hilft, ist es ein probater Ausgleich zu Stressbelastungen durch den Berufsalltag. Damit wird nämlich nicht nur den körperlichen Folgen von dauerhaftem Stress entgegengewirkt – die sich eben zuallererst bei Störungen des Herz-Kreislaufsystems zeigen –, sondern zugleich den weiteren Konsequenzen für die Psyche (Burnout oder Depressionen) vorbeugt.
•    Krebsrisiko
Prophylaxe bietet das Radfahren auch hinsichtlich des Risikos einer Krebserkrankung. Das verringert sich durch die Stärkung des Immunsystems, die sozusagen eine Begleiterscheinung regelmäßiger Bewegung im Freien ist. Dass darüber hinaus auch die Stressanfälligkeit geringer ausfällt, trägt auch zur sinkenden Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden Erkrankungen bei.
Entlastung für das Gesundheitssystem
Der Nutzen des Radfahrens geht aber weit über die persönliche Sphäre hinaus und so kommen mehrere vornehmlich skandinavische Studien zu dem Ergebnis, dass unter anderem das Gesundheitssystem in erheblichem Maße entlastet werden kann. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich, vor allem sinkt bei aktiven Radfahrern das Erkrankungsrisiko – in der Folge sinken gleichermaßen die verursachten Gesundheitskosten.
Nach Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung konnten diese Ergebnisse bestätigt werden. Die Studie „Wirtschaftliche Aspekte nichttechnischer Maßnahmen zur Emissionsminderung im Verkehr“, die vor vier Jahren im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt wurde, befasst sich mit den Auswirkungen eines nachhaltigeren Verkehrsverhaltens. Ein wichtiger Aspekt neben vielen anderen sind dabei die Kosten – für die Infrastruktur, für den Fahrzeugbetrieb und eben auch für die Gesundheit.
Gesundheitskosten entstehen dabei an verschiedenen Stellen, etwa -

Wer sich in seiner Freizeit um seine Fitness kümmert, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern trägt zugleich sozusagen zum

Entlastung für das Gesundheitssystem:
Der Nutzen des Radfahrens geht aber weit über die persönliche Sphäre hinaus und so kommen mehrere vornehmlich skandinavische Studien zu dem Ergebnis, dass unter anderem das Gesundheitssystem in erheblichem Maße entlastet werden kann. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich, vor allem sinkt bei aktiven Radfahrern das Erkrankungsrisiko – in der Folge sinken gleichermaßen die verursachten Gesundheitskosten.
Nach Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung konnten diese Ergebnisse bestätigt werden. Die Studie „Wirtschaftliche Aspekte nichttechnischer Maßnahmen zur Emissionsminderung im Verkehr“, die vor vier Jahren im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt wurde, befasst sich mit den Auswirkungen eines nachhaltigeren Verkehrsverhaltens. Ein wichtiger Aspekt neben vielen anderen sind dabei die Kosten – für die Infrastruktur, für den Fahrzeugbetrieb und eben auch für die Gesundheit.
Gesundheitskosten entstehen dabei an verschiedenen Stellen, etwa
•    beim Einzelnen, der zum Beispiel medizinische (ambulante oder stationäre Behandlungen, Medikamente, Reha-Maßnahmen etc.) und nichtmedizinische (Patienten- und Angehörigenzeit, Haushaltshilfen, Fahrkosten, Umbauten/Anschaffungen in Folge von Krankheiten, die zum Beispiel durch Bewegungsmangel verursacht werden) bezahlen muss;
•    bei den Unternehmen, für die sowohl die Fehlzeiten als auch die Anwesenheitszeiten im Krankheitsfall (durch den nun einmal die Leistungsfähigkeit leidet, während gleichzeitig die Fehleranfälligkeit und die Unfallgefahr steigen) problematisch sind. Dazu an späterer Stelle mehr.
Was bei aller Nachweisbarkeit des direkten, körperlichen Gesundheitsnutzens für den Radfahrer jedoch beachtet werden sollte, die in der Studie angegebenen Summen sollten mit Vorsicht genossen werden. Zwar schätzen die Studienbetreiber die jährliche Ersparnis in Folge der aktiven Mobilität auf 500 bis 2.000 Euro (je nach Trainingszustand und Bewegungsprofil).
Allerdings sind exakte Berechnungen mindestens schwierig, zumindest auf einer volkswirtschaftlichen Ebene. Insofern sollten auch die Ergebnisse anderer Studien, etwa für den gesellschaftlichen Nutzen des Radfahrens in Kopenhagen, mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden – jedenfalls bei den konkreten Zahlen, nicht unbedingt bei der Tendenz der Aussage.

Radfahrer und das erhöhte Unfallrisiko – dabei sind durch Schadstoffe verursachte Beschwerden sehr viel wahrscheinlicher.

Risikolose Gesundheitsvorsorge?
Abgesehen davon stellt sich ein Gesundheitsvorteil auch nur unter den richtigen Bedingungen ein. Eine verbesserte körperliche Fitness ist kein Garant für das Ausbleiben von Verletzungen. Und das ist längst nicht alles, denn die Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Fahrrad ist keineswegs frei von Gefahren. Die grundsätzliche Frage muss daher lauten, ob die gesundheitlichen Vorteile die potenziellen Risiken aufwiegen.
Peter Seidel weist in seinem Beitrag bei fahrradzukunft.de in diesem Zusammenhang auf die Problematik der subjektiven und objektiven Wahrnehmung von Gefahren hin. Tatsächlich liegen etwa die Verletzungsanfälligkeit oder das Unfallrisiko für Fahrradfahrer deutlich unter den Vergleichswerten anderer Sportarten oder Fortbewegungsmethoden. Überhaupt kann dieses Wahrnehmungsphänomen zu paradoxen Einschätzungen kommen – so ist der Glaube, als Radfahrer schneller und häufiger in Unfälle verwickelt zu werden, deutlich stärker ausgeprägt als die Sorge um die Belastung mit Schadstoffen durch den Straßenverkehr. Tatsächlich, das zeigen Untersuchungen gleichermaßen auf, verhält es sich mit dem Gefährdungspotenzial genau umgekehrt.
Was die Faktoren Sicherheit und Schadstoffbelastung anbelangt, kann somit immer noch ein wesentlich größerer Vorteil postuliert werden. Selbst das möglicherweise heikle Thema „Impotenz durch intensives Radfahren“ muss zum einen differenziert und gleichzeitig relativiert werden. Wenngleich frühere Studien durchaus einen Zusammenhang sahen, lässt sich die Verbindung wohl doch nicht derart vereinfachen, zu behaupten, wer zu viel radelt, muss zwangsläufig mit Konsequenzen für sein Liebesleben rechnen.
Das ist erst unter vergleichsweise überdurchschnittlichen Bedingungen (zwischen 300 und 400 Kilometern wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren) zu befürchten. Dennoch, das bestätigen Untersuchungen der Uniklinik Köln, kann durch die Wahl des Sattels einiges zu einer besseren Durchblutung des Genitalbereichs getan werden – und damit auch gegen kurzfristige Beschwerden wie Taubheitsgefühle. Überhaupt ist es ratsam, sich mit dem Thema Ergonomie beim Radfahren auseinanderzusetzen. Es ist nämlich durchaus denkbar, dass eine falsche Körperhaltung oder ein schlecht eingestelltes Fahrrad eher zu körperlichen Beschwerden führt, als diesen entgegenzuwirken.

Mobilitäts-Aspekte des Fahrrads

Schneller und umweltfreundlicher:
Was ist das größte Problem des Stadtverkehrs, wenn man einmal von der Umweltbelastung absieht? Er tritt häufig genug nur in zähfließender Form auf und gerade zur Rush Hour ist ein Vorwärtskommen mit motorisierten Verkehrsmitteln nur schwer möglich. Anders das Fahrrad, das im Idealfall mehr Flexibilität und damit ein schnelleres Vorankommen erlaubt.
Schneller unterwegs im Verkehr:
Das mag zwar ebenfalls der subjektiven Wahrnehmung geschuldet sein, ist aber auch faktisch so. Besonders auf kurzen Strecken, für die das Auto ohnehin besser gar nicht erst bemüht werden sollte (also alles bis zu 5 Kilometer), haben die Radfahrer klare Vorteile: Oft genug müssen sie keine Umwege machen, können bisweilen Einbahnstraßen doch nutzen, können direkt zum Ziel fahren, ohne vorher noch einen Parkplatz zu suchen. Für den innerstädtischen Verkehr bietet es sich also wirklich an, auf das Fahrrad umzusteigen.
Denn dort liegen Radfahrer auch bei der „effektiven Geschwindigkeit“  vorne. Der Gedanke dahinter ist folgender: Es wird zwar weiterhin die Geschwindigkeit auf Grundlage der zurückgelegten Distanz pro Zeiteinheit gemessen, berücksichtigt werden aber auch andere Faktoren, nämlich
•    die Fahrtzeit,
•    die Zeit für die Instandhaltung,
•    die Arbeitszeit
•    und die Zustiegszeit.
Dazu kommen der Stundenlohn und die Kosten des jeweiligen Transportmittels. Leicht vorstellbar, dass die Rechnung mehr zu Gunsten des Fahrrads ausfällt, je höher etwa die Ausgaben für Kraftstoff, Reparaturen, Steuern, Versicherungen etc. für ein Auto steigen. Also sind Fahrradfahrer auch in dieser Hinsicht schneller am Ziel, weil sie viel weniger Zeit brauchen, um die Kosten für ihr Fortbewegungsmittel aufzubringen.

Schonend für die Umwelt:
Ebenfalls ohne Schwierigkeit nachvollziehbar ist der Umweltschutzeffekt des Fahradfahrens. Wie weit der allerdings geht, machen sich viele womöglich gar nicht richtig bewusst – es geht dabei um einiges mehr, als die bloße Einsparung von Schadstoffen. Obwohl das natürlich der naheliegendste Aspekt der Umweltschonung durch den Radverkehr ist. Ohne Motor keine Abgase, also auch keine CO2-Belastung.
Die Infrastruktur für den Radverkehr braucht aber im Vergleich zum motorisierten Verkehr deutlich weniger Raum. Angesichts der Tatsache, dass die Bundesregierung die zukünftige Flächenversiegelung, also die Bebauung des natürlichen Bodens, einschränken will, ist das ein relevanter Umweltschutzfaktor. Das gilt sowohl für die genutzten Verkehrsflächen – also Straßen, Radwege, Radschnellwege – aber nicht minder kritisch sind die notwendigen Flächen für den ruhenden Verkehr. Das meint Abstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge, die gerade innerhalb von Städten kaum vorhanden sind und an anderer Stelle wertvollen Boden in Anspruch nehmen.
Weiterer Vorteil gegenüber dem Kraftverkehr: Fahrräder verursachen keine bzw. vernachlässigbare Geräusche, wohingegen der von Autos verursachte Straßenlärm durchaus jenseits des gesundheitsverträglichen Maßes ansteigen kann. Das hat übrigens nicht allein mit Lebensqualität zu tun, sondern auch mit möglichen gesundheitlichen Spätfolgen, die entstehen können, wenn Menschen anhaltendem Lärm zu lange ausgesetzt sind. Auf lange Sicht hilft dann vermutlich auch das Radfahren nicht, um das wieder auszugleichen.

Klimaschonende Innenstadtszenarien sind nur dann möglich, wenn Fahrrädern ausreichend Raum gegeben wird.

Faktor Wirtschaft: Das Fahrrad - die kostengünstige Alternative

Abgesehen von Gesundheit und Umweltschonung ist das Fahrrad zudem ein knallharter Wirtschaftsfaktor. Das wurde schon an verschiedenen Stellen angerissen und wichtig ist dabei, dass sich die wirtschaftlichen Vorteile nicht nur auf den privaten Geldbeutel beschränken. Das mag für die individuelle Entscheidung gegen das Auto und für das Rad ein ganz elementarer Aspekt sein, aber das Einsparpotenzial ist auch auf größerer Bühne vorhanden.
Auf kommunaler Ebene: Kosten und Nutzen von Radverkehrsmaßnahmen:
Die Kassen der Städten und Kommunen sind bekanntlich oft genug leer. In Anbetracht einer immer größeren Bedeutung (urbaner) Mobilität ist das keine wirklich gute Ausgangslage. Noch dazu nimmt der Kraftverkehr, gerade in der öffentlichen Diskussion, eine gewisse Vorrangstellung ein. Daraus ergeben sich häufig genug Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Ausgaben für andere Verkehrssysteme wie den Radverkehr oder den öffentlichen Nahverkehr zu argumentieren.
Das Forschungsprojekt „NRVP – Kostenvergleich zwischen Radverkehr, Fußverkehr, Kfz-Verkehr und ÖPNV anhand von kommunalen Haushalten“, initiiert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und durchgeführt an der Universität Kassel befasst sich mit genau dieser Problematik.
Herausgekommen ist dabei eine Studie mit dem etwas sperrigen Titel „Was kosten Radverkehr, Fußverkehr, öffentlicher Personennahverkehr und Kfz-Verkehr eine Kommune? – Entwicklung und Anwendung einer Methode für den Vergleich von Aufwendungen und Erträgen verschiedener Verkehrsmittel anhand von kommunalen Haushalten“. Das Ergebnis der Untersuchung der Uni Kassel widerspricht der öffentlichen Meinung allerdings: In den untersuchten Modellstädten lag der Radverkehr bei der Förderung jeweils auf dem letzten Platz. Die Gelder aus kommunalen Kassen fließen weiterhin in den Kfz-Verkehr.
Das ist nachvollziehbar, solange dieser eine dominante Position einnimmt. Es ist allerdings kaum sinnvoll für eine nachhaltige Entwicklung der Infrastruktur. Die Situation ist nahezu absurd: Der Radverkehr wird als zu teuer empfunden, würde aber schon in der Förderung deutlich weniger Kosten verursachen. Hinzu kommt die (finanzielle) Entlastung in anderen Verkehrsbereichen:

Noch keine Vorfahrt für Fahrräder: Der Kfz-Verkehr bleibt auch weiterhin dominant – und somit ein großes Problem, besonders in den Städten.Noch keine Vorfahrt für Fahrräder: Der Kfz-Verkehr bleibt auch weiterhin dominant – und somit ein großes Problem, besonders in den Städten.

•    Der Kfz-Verkehr verursacht wesentlich höhere Kosten für die Instandsetzung der Straßen.
•    Die Infrastruktur (sowohl die Verkehrswege als auch die Abstellmöglichkeiten) für den Kfz-Verkehr braucht ebenso mehr Platz, dementsprechend auch mehr Geld.
•    Hinzu kommen weitere, sogenannte externe Kostenfaktoren, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden: Hierunter fallen etwa die Umweltkosten durch die ausgestoßenen Klimagase, aber auch Unfälle und Staus verursachen Kosten, hauptsächlich wegen der in der Folge entstehenden Zeitverluste. Wobei gerade Unfälle natürlich zusätzlich größere Ausgaben für die Instandhaltung mit sich bringen können.
In allen diesen Punkten entstehen durch den Radverkehr nur Bruchteile der Kosten. Langfristig lohnt sich die Investition in die Fahrradfahrer – nicht nur, weil sie im Vergleich ohnehin sehr viel geringer ausfallen würden, sondern weil sie zudem die Haushaltsausgaben der Kommunen entlasten:
•    Es muss weniger Geld in den Straßenneubau gesteckt werden, was insbesondere bei neu zu erschließenden Straßen erhebliche Einsparungen ermöglicht.
•    Auch die Instandhaltungskosten aufgrund der geringeren Belastung der Straßen durch den Kfz-Verkehr ließen sich so senken.
Es ist daher umso erstaunlicher, dass der Radverkehr bislang so wenig in der Bezuschussung berücksichtigt wurde. In den von der Studie untersuchten Städten lag er immer deutlich hinter den anderen Verkehrsformen. Dabei zeigen internationale Beispiele – und hier wird völlig zu Recht immer wieder auf Kopenhagen hingewiesen –, wie ein gut in die übrige Infrastruktur eingebetteter Radverkehr die Lebensqualität und auch die Außenwahrnehmung positiv verändern kann.
 
Alternative für den ÖPNV
Als potenzielles Problem könnte sich für die Radfahrer – das meint in diesem Zusammenhang etwa Berufspendler und weniger die Wochenend-Freizeitradler, wenngleich auch die von der Problematik betroffen sein können – allerdings die Reichweite erweisen. Die Zeitgewinne auf kurzen Strecken relativieren sich möglicherweise wieder, wenn das Ziel jenseits der doch recht überschaubaren Grenze von einigen Kilometern liegt.

Leihfahrräder können eine sinnvolle Ergänzung zum Angebot des ÖPNV bieten.

Die Lösung für dieses Problem ist denkbar einfach und besteht in der schlichten Verknüpfung von ÖPNV und Radverkehr. Das ist keine neue Idee, die Bestrebungen zu einer besseren Verbindung der beiden Verkehrsträger bestehen schon lange – und sie machen besonders im städtischen Bereich absolut Sinn. Denn urbane Mobilität lässt sich zufriedenstellend wirklich nur über die Synthese verschiedener Mobilitätsformen bewerkstelligen. Am nachhaltigsten natürlich, wenn sich Fuß-, Rad- und der öffentliche Personennahverkehr verzahnen lassen.
Darauf hat beispielsweise schon vor Jahren das Deutsche Institut für Urbanistik hingewiesen, im Rahmen eines Modellversuchs mit öffentlichen Fahrradverleihsystemen. Die Argumente für solche Systeme im ÖPNV bleiben dabei dieselben, die auch für eine allgemeine Förderung des Radverkehrs ins Feld geführt werden:

Die mobilere Gestaltung des Arbeitsweges ist keine Frage der beruflichen Stellung, sondern hauptsächlich der Einstellung.

•    Es wäre ein weiterer Beitrag zur Verbesserung von Verkehrssicherheit, Umweltfolgen und der Lebensqualität im Allgemeinen.
•    Fahrradverleihsysteme wären für die Verkehrsbetriebe eine kostengünstige Alternative für die weitere Streckenerschließung – die Attraktivität des ÖPNV hängt nun einmal direkt mit der Verfügbarkeit und Reichweite des Angebots zusammen. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreift, möchte genauso schnell an sein Ziel kommen, wie etwa Kfz-Nutzer.
Leihräder könnten in dieser Hinsicht an den Stellen eingesetzt werden, an denen der Ausbau des Linienverkehrs sich als problematisch oder sogar unmöglich erweist. Damit  können längere Wartezeiten vermieden und ein flüssiges Vorankommen ohne Unterbrechung ermöglicht werden.

Auf wirtschaftlicher Ebene - billige Fahrrad-Pendler:

Wenn sich Arbeitgeber mit der Gesundheit ihrer Belegschaft auseinandersetzen, hat das selbstverständlich nicht allein mit Verantwortungsgefühl und dem Bedürfnis nach der Erfüllung fürsorglicher Pflichten zu tun. Das mag eine Rolle spielen, unterm Strich ist aber eben auch die Gesundheit der Mitarbeiter ein wirtschaftlich relevanter Faktor. Der Zusammenhang mit dem Radfahren, das wurde weiter oben schon erwähnt, ergibt sich aber letztlich ganz logisch aus den allgemeinen gesundheitlichen Vorteilen des Radelns.
Wie relevant mobilere und gesündere Arbeitnehmer sein können, zeigt der Blick gen Niederlande. Dort haben Studien erwiesen, dass das Einsparpotenzial für Unternehmen durch die sinkende Zahl der Krankheitstage bei jährlich 27 Millionen Euro liegen kann. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, die Anzahl der radelnden Mitarbeiter weiter zu steigern.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Untersuchung des Mobilitätsberatungsunternehmens EcoLibro: Je aktiver die Arbeitnehmer ihren Arbeitsweg gestalten, desto seltener fallen sie krankheitsbedingt aus. Zu den Handlungsempfehlungen für die Betriebe gehören daher etwa Anreizsysteme, um zu einem häufigeren Griff zum Fahrrad zu motivieren oder etwa die Einführung spezieller Budgets, mit denen die Mobilität der einzelnen Mitarbeiter individuell gestaltet werden kann. Es wäre jedenfalls nur gerecht, wenn die Angestellten ebenfalls von ihrem Gesundheits- und Umweltbewusstsein profitieren könnten – auch auf finanzieller Ebene.


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