Fahrradversicherung: Wann sich die Versicherung lohnt


Wem sein Zweirad mindestens so viel wert ist wie sein Automobil, der sollte nicht lange zögern und eine Fahrradversicherung abschließen. Immerhin werden jährlich allein in Deutschland knapp 500.000 Fahrräder gestohlen. Doch bei der Wahl einer Versicherung für Fahrräder gilt auch Vorsicht. Denn die Versicherung zahlt nur, wenn alle vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt wurden.
 

Sie kommen nachts und lassen sich auch von Schlössern nicht abschrecken: Fahrraddiebe sind des Radlers größter Albtraum. (Bildquelle: Rainer Fuhrmann – 524518450 / Shutterstock.com)

Fahrraddiebstahl

Sie kommen nachts und lassen sich auch von Schlössern nicht abschrecken: Fahrraddiebe sind des Radlers größter Albtraum. Jährlich werden in Deutschland circa vier Millionen Fahrräder gekauft. Zwar ist das Automobil Umfragen zufolge das beliebteste Fortbewegungsmittel des nicht immer ganz so sportlichen Deutschen, fast die Hälfte aller Bürger nutzt ihr Fahrrad aber mehrmals in der Woche, zum Einkaufen, für den Arbeitsweg oder ganz einfach nur zur sportlichen Betätigung und für die Erholung.

Auch auf Reisen ist das Fahrrad oft dabei. Da wundert es nicht, dass viele bereit sind, gutes Geld für ihren Drahtesel zu bezahlen. Rund 500 Euro werden im Schnitt für ein neues Fahrrad ausgegeben. Für Qualitätsmarken wird deutlich mehr bezahlt. Und im vierstelligen Euro-Bereich rangieren anspruchsvolle E-Bikes, Rennräder, Mountainbikes und Sondermodelle. Damit können es Fahrräder mit einem gebrauchten Mittelklassewagen preislich locker aufnehmen. Nur versichert sind Fahrräder meist längst nicht so gut wie die motorisierten Vierräder.

Aber warum eigentlich? Anbieter für Fahrradversicherungen gibt es immerhin so einige. Diese schützen dann vor Diebstahl und Schäden, zu Hause wie auch im Urlaub. Fakt ist aber, dass sich viele Radler für die zweite oder dritte Variante entscheiden, um ihr Bike vor Diebstahl zu schützen: über die Reiseversicherung oder Hausratversicherung. Gerade ältere Policen decken den Fahrraddiebstahl ab - allerdings nur bis zu einem bestimmten Anschaffungspreis! Daher lohnt sich in vielen Fällen eine spezielle Fahrradversicherung oder eine optionale Spezialversicherung.
 

Fahrräder in Deutschland: beliebt, teuer und meistens nicht ausreichend geschützt. (Zum Vergrößern einfach die Grafik anklicken!)

Reiseversicherung und Fahrradversicherung – passt das zusammen?

Policen, die zusätzlich zur Reiseversicherung auch eine Fahrradversicherung beinhalten, sind speziell für Vielreisende interessant. Für Personen, die ihr Fahrrad auch zu Hause geschützt wissen wollen gibt es bessere Alternativen. Denn Fahrradversicherungen in Verbindung mit einer Reiseversicherung gelten zwar für das eigene Bike, allerdings nur, wenn der Schadensfall nicht zu Hause am Wohnort, sondern auf Reisen gemeldet wird.

Wie weit man vom Wohnort entfernt sein muss, das ist anbieterabhängig. Meist genügen aber bereits 50 Kilometer. Reise-Fahrradversicherungen übernehmen dann beispielsweise die Kosten für Reparaturen oder auch die Mietgebühren für Ersatzräder.

Eine Reise-Fahrradversicherung ist also kein adäquater Ersatz für die herkömmliche Fahrradversicherung für zu Hause, aber die deutlich bessere Alternative für Radeln im Urlaub. Und: Günstiger ist sie meist auch. Einzelpersonen können meist bereits für unter einem Euro pro Tag versichert werden. Auch Gruppenversicherungen sind denkbar. Da lohnt sich die Kosten-Nutzen-Rechnung allemal.

Genügt bereits die Hausratversicherung zum Fahrradschutz?

Das kommt ganz auf die individuellen Umstände an. Fakt ist, dass es vor einigen Jahren noch gang und gäbe war, Fahrraddiebstahl bzw. Fahrradschäden über die Hausratversicherung zu decken. Mittlerweile ist dies zwar noch möglich, der Versicherungsschutz ist bei der Hausratversicherung aber an sehr strenge Bedingungen geknüpft. Viele neue Hausratversicherungen bringen einen Schutz für das Fahrrad gar nicht mehr mit.

Auch deswegen sollten Fahrradfahrer genau hinschauen, wenn sie sich entschließen, ihr Fahrrad zu versichern. Auch wer eine ältere Police besitzt, die den Fahrrad-Diebstahlschutz einschließt, sollte genauer hinsehen. Ist die Fahrradversicherung bei der Hausratversicherung enthalten, gelten meist folgende Regeln:

  • Das Fahrrad ist bei Diebstahl und Schäden versichert, wenn sich das Fahrrad im eigenen, abgeschlossenen Kellerraum befand.
  • Das Fahrrad ist auch bei Diebstahl aus der eigenen Wohnung versichert.
  • Der Versicherungsschutz für das Fahrrad gilt bei den genannten Fällen auch dann für Diebstahl, wenn das Fahrrad selbst nicht mit einem Fahrradschloss gesichert war.

Dies klingt erst einmal ausreichend. Einige Einschränkungen gibt es aber schon. Wer zum Beispiel keinen eigenen Kellerraum besitzt und sein Fahrrad in einem gemeinsamen Fahrradkeller abstellt, kann sein Bike nicht über die Hausratversicherung versichern.

Zudem: Bei den meisten Anbietern werden Räder nur bis zu fünf Prozent der Versicherungssumme berücksichtigt. Dies mag für viele einfache/preiswerte Fahrräder genügen. Bei Fahrrädern mit einem Anschaffungspreis jenseits von 2.000 Euro kann es im Schadensfall dann aber möglich sein, dass die Versicherung gar nicht bzw. nur einen Teil des Wertes ausbezahlt.
 

Fahrradversicherung ist meistens ein Muss

Das größte Problem für viele Fahrradbesitzer ist aber ein anderes. Denn die meisten Fahrräder werden nicht zu Hause bzw. aus dem Keller geklaut, sondern auf offener Straße. Und hier greift die Hausratversicherung eben nicht. Wie hemmungslos viele Fahrraddiebe vorgehen, zeigt ein Bericht der ARD, siehe nachfolgendes Video -
 

Bei der Polizei wird Fahrraddiebstahl zur Kleinkriminalität gerechnet. Dies zahlt sich für Kriminelle aus. Denn die mittlerweile gar in Banden organisierten Fahrraddiebe scheffeln mit den geklauten Rädern abertausende von Euro – zum Leidwesen der Besitzer, die sich nicht schützen können und ihr geklautes Rad meist nie wiedersehen.

Fahrraddiebe agieren mittlerweile international und sind in großen Banden organisiert!
Auch deswegen sollten viele Radbesitzer ihre Hausratversicherung um eine Fahrradversicherung ergänzen. Doch auch hier lauern Tücken im Kleingedruckten der Versicherungsverträge. Denn nicht alle Fahrradversicherungen sind 24 Stunden am Tag gültig. Vor allem die Nachtstunden werden gerne ausgelassen. Nur werden zu dieser Zeit leider die meisten Fahrraddiebstähle verzeichnet.

Und ein weiteres Problem: Die Fahrradversicherung gilt meist nur für ein einziges Fahrrad. Sie versteht sich nicht als Kollektivversicherung, die alle Fahrräder eines Haushalts umfasst. Dies allerdings leistet die Hausratversicherung wiederum. Deswegen ist es unter Umständen notwendig, die Hausratversicherung gleich um mehrere Einzelpolicen zu ergänzen, möchte man nicht nur sein eigenes Fahrrad, sondern auch das der Kinder und anderer Familienmitglieder im Hause geschützt wissen.
 

Versicherungen zahlen oft nur bei abgeschlossenen Rädern

Wie viel für eine Fahrradversicherung gezahlt werden muss, das ist ganz unterschiedlich und hängt in der Regel von zwei Faktoren ab: dem Wert des Fahrrads sowie dem Wohnort. Wer in einer der unsichersten Fahrradstädte wohnt, der muss meist deutlich mehr zahlen als jemand, der sein Fahrrad auch bei Nacht guten Gewissens in geschützter Nachbarschaft abstellen kann, was meist auf dem Land der Fall ist. Zu den deutschen Hochburgen für Fahrraddiebstähle zählen:

Stadt

Diebstähle je 100.000 Einwohner

Münster

1.828

Oldenburg

1.521

Celle

1.361

Frankfurt/Oder

1.341

Dessau

1.268

Magdeburg

1.158

Lübeck

1.116

Heide

1.104

Bremen

1.063

Lüneburg

1.004

Tabelle: Das sind die 10 unsichersten Fahrradstädte in Deutschland; Quelle: Neu.de

Die deutschlandweite Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen liegt gerade einmal bei 9 Prozent, in Großstädten wie Hamburg gar nur bei 4 Prozent. Der durchschnittliche Schaden, der Radbesitzern entsteht, liegt bei über 500 Euro, wie aus einem Bericht des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht.

Verständlich also, dass sich die Versicherungen eine Fahrradversicherung vor allen Dingen in Deutschland gefährlichsten Fahrradstädten ordentlich bezahlen lassen. Versicherungen für wertvolle E-Bikes zum Beispiel können Verbraucher bis zu 200 Euro im Jahr kosten. Dafür sind dann aber auch Reparaturen bei Schäden und auch der empfindliche Akku mit abgedeckt.

Voraussetzung dafür, dass die Versicherung im Schadensfall zahlt, ist fast immer die Nutzung eines vorgeschriebenen Fahrradschlosses. Wie dieses genau beschaffen sein muss, das wird von den Versicherungen individuell festgelegt.

Ebenfalls eine Option, um die Versicherungsprämie zu drücken, ist das Codieren des Fahrrads. Dies wird von vielen Fahrradläden für wenig Geld angeboten. Beim Codieren wird eine Gravur eingefräst, die auf den Besitzer verweist. Dies soll den Diebstahl für Kriminelle weniger attraktiv machen, da codierte Räder sich nicht so leicht verkaufen lassen.

Weitere Hinweise zum Fahrrad-Diebstahlschutz und Empfehlungen für spezielle Fahrradversichungen finden Sie hier>>